
Welches Werk gehört in welchen Raum?
Wie wählt man nun ein Werk für seine Wohnung aus? Die Frage, was einem gefällt, kommt erst viel später; die entscheidende Frage ist: welche Atmosphäre soll der Raum ausstrahlen?
Abstrakte Gemälde mit starkem Farbaufwand bringen in einem Wohnzimmer Spannung ins Bild, sie ziehen alle Blicke auf sich; ruhige, monochrome Werke gehören eher ins Schlafzimmer oder ins Arbeitszimmer, wo es um Konzentration oder Entspannung geht. Im Vorraum, der meist eng und dunkel ist, wirken helle Fotografien oder grafisch definierte Kunstdrucke gut, weil sie Tiefe machen. Skulpturen verlangen eine anderes Vorgehen: Sie benötigen ihren Raum, eine Standfläche, die sie aufwertet. Eine plastische Arbeit auf einem Sideboard oder einer Fensterbank kann ein Zimmer mit ihrem Schatten und ihrer Materialität beleben, ohne Wandfläche zu verschlingen.
Wer zeitgenössische Kunst zum Einrichten sucht, findet im Bereich Modern Art ein breites Angebot an Gemälden, Kunstdrucken, Skulpturen und Fotografien, die stilistisch genau eingeordnet sind und sich also entsprechend dem Raumkonzept gezielt auswählen lassen.
Hängung und Proportion: die entscheidenden handwerklichen Fragen
Ein häufiger Fehler: Bilder hängen zu hoch. Museen und Galerien halten sich seit Jahrzehnten an eine Faustregel: Die Bildmitte sollte auf 145 bis 150 cm Höhe über dem Fußboden liegen, der durchschnittlichen Augenhöhe des stehenden Menschen. Hängt ein Bild über einem Möbelstück, so gilt eine andere Regel: Die Unterkante des Werkes sollte am Sofa, Sideboard usw. etwa 20 bis 30 cm Abstand zu deren Oberkante haben, damit Kunstwerk und Möbel zusammen eine Einheit bilden.
Noch wichtiger als die Höhe ist das Verhältnis von Bildgröße zur Wandgröße. Ein Einzelbild sollte etwa 57 % der Wandbreite einnehmen, an der es hängt.
Licht und Farbe: was viele nicht bedenken
Direktes Sonnenlicht ist einer der häufigsten Gründe, weshalb Kunstwerke vorzeitig verblassen, vor allem Papierarbeiten wie Aquarelle oder Zeichnungen, aber auch Fotografien und Leinwanddrucke. Wer keine Möglichkeit hat, die Sonneneinstrahlung durch Vorhänge oder Jalousien zu regulieren, sollte sich für ein Werk wenigstens UV-Schutzglas anschaffen oder es an einer schattigen Wandseite platzieren. Temperaturschwankungen und Luftfeuchtigkeit schaden ebenfalls, weshalb Kunstwerke nicht direkt über Heizkörpern oder dampfenden Badewannen ohne Schutz untergebracht werden sollen.
Die Wandfarbe hat weniger offensichtlich, aber dennoch erheblichen Einfluss. Dunkle Wandtöne wie Anthrazit, Dunkelblau oder Olivgrün lassen helle, kontrastreiche Werke besonders leuchtend erscheinen. Helle oder neutrale Wände dagegen lassen es zu, dass das Werk selbst die Stimmung des Raumes beherrscht, ohne sich Konkurrenz zur Hintergrundfarbe machen zu müssen. Eine weiße Wand ist dabei nicht unbedingt die beste Wahl: Ein warmes Greige oder ein zartes Schieferblau kann einem Werk mehr Tiefe verleihen als ein reines Weiß.
Was spricht für den Kunstkauf als Gestaltungsmittel, was dagegen
Einen realen Nachteil hat es, dass zeitgenössische Kunstwerke in der Anschaffung teurer sind als Massenprodukte aus dem Einrichtungshandel. Eine Frage der Langlebigkeit, der visuellen Qualität und des Potentials, einen Raum tatsächlich zu prägen, steht solche Kunst jedoch weit über jeder günstigen Alternative.
Zu bedenken ist:
- Originale Kunstwerke sind Unikate und verleihen einem Raum unverwechselbare Identität.
- Kunstdrucke schließen eine zugänglichere Preisklasse bei hoher Abbildungsqualität ein.
- Der Wert zeitgenössischer Werke kann sich über die Zeit entwickeln, ist aber kein verlässlicher Investitionsfaktor für alle Marktsegmente.
- Die Wahl dieser Objekte verlangt Auseinandersetzung mit Stil, Format und Raumkontext, kostet Zeit, führt aber zu deutlich besseren Ergebnissen als der Zufall.