Zahnstellung langfristig entwickeln und Fehlbelastungen vermeiden
Nicht jede Zahnfehlstellung verursacht unmittelbar Beschwerden. Leichte Engstände oder kleinere Lücken bleiben häufig über Jahre unauffällig. Dennoch verändert sich dadurch die Belastung einzelner Zähne beim Kauen. Werden Kräfte ungleichmäßig auf das Gebiss verteilt, können sich mit der Zeit Abnutzungserscheinungen, erschwerte Mundhygiene oder eine höhere Beanspruchung des Zahnhalteapparats entwickeln. Eine Aligner-Zahnschiene gehört zu den kieferorthopädischen Behandlungsmöglichkeiten, mit denen sich ausgewählte Zahnfehlstellungen schrittweise korrigieren lassen.
Kurzfassung
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Zahnbewegungen durch aufeinander abgestimmte Schienen
Eine Aligner-Zahnschiene besteht aus transparentem Kunststoff und wird passgenau für das jeweilige Gebiss hergestellt. Anders als festsitzende Apparaturen arbeitet das System mit mehreren Schienen, die sich geringfügig voneinander unterscheiden und die aufeinander aufbauen. Jede Schiene übt kontrollierte Kräfte auf ausgewählte Zähne aus und verschiebt sie schrittweise entlang der zuvor geplanten Zahnbewegungen.
Damit diese Bewegungen wie vorgesehen stattfinden, wird jede Schiene über einen festgelegten Zeitraum getragen. Anschließend wird die nächste Schiene eingesetzt. Auf diese Weise entstehen zahlreiche kleine Positionsänderungen, die sich über mehrere Monate zu einer sichtbaren Veränderung der Zahnstellung summieren können.
Untersuchung vor Beginn der Behandlung
Ob eine Zahnfehlstellung mit Alignern behandelt werden kann, lässt sich erst nach einer kieferorthopädischen Diagnostik beurteilen. Dabei werden Zahnstellung, Bisslage und die Lage der Zahnwurzeln untersucht. Ergänzend kommen fotografische Aufnahmen, Röntgenbilder oder digitale Abformungen des Gebisses zum Einsatz, damit die geplanten Zahnbewegungen auf einer vollständigen Beurteilung beruhen.
Die Untersuchung dient außerdem dazu, zwischen einer reinen Zahnfehlstellung und einer großen Abweichung der Kieferlage zu unterscheiden. Liegt die Ursache überwiegend im Kieferknochen, reicht eine Behandlung mit transparenten Schienen allein manchmal nicht aus. In solchen Fällen können andere kieferorthopädische oder kieferchirurgische Maßnahmen erforderlich werden.
Unterschiedliche Fehlstellungen erfordern verschiedene Behandlungsansätze
Zahnfehlstellungen können unterschiedliche Bereiche des Gebisses betreffen und verschiedene Auswirkungen auf den Zusammenbiss haben.
Ein Engstand liegt vor, wenn im Zahnbogen nicht genügend Platz vorhanden ist und sich einzelne Zähne überlagern oder verdrehen. Zahnzwischenräume lassen sich dadurch häufig schwerer reinigen.
Von einer Zahnlücke wird gesprochen, wenn zwischen einzelnen Zähnen mehr Abstand besteht als vorgesehen oder sogar ein oder mehrere Zähne fehlen. Abhängig von Größe und Ursache kann sich dadurch das Zusammenbeißen verändern.
Ein Kreuzbiss entsteht, wenn einzelne Oberkieferzähne beim Zubeißen innerhalb der unteren Zahnreihe liegen. Dadurch können Kaubewegungen anders verlaufen als vorgesehen. Die Zähne werden falsch belastet und nutzen sich ungleichmäßig ab.
Beim Tiefbiss bedecken die oberen Schneidezähne die unteren Zähne stärker als üblich. Dadurch steigt die Belastung einzelner Zahnflächen. Die Innenflächen der oberen Schneidezähne und die Schneidekanten oder Außenflächen der unteren Schneidezähne werden immer kleiner und dünner und führen zu Überempfindlichkeiten bei Hitze und Kälte oder bei rein mechanischer Belastung. Eine Überkronung oder Füllung der Zähne beim Zahnarzt ist nicht möglich, weil dann die Backenzähne nicht mehr aufeinanderpassen. Hier hilft eine Behandlung mit Alignern enorm.
Ein offener Biss beschreibt eine Situation, bei der sich bestimmte Zähne, meist die Eckzähne, Schneidezähne und kleine Backenzähne, trotz geschlossenem Mund nicht berühren. Dadurch verändert sich die Kraftverteilung beim Kauen sowie teilweise auch die Aussprache. Die Patienten klagen über Druckschmerzen in den hinteren Zähnen, in der Kaumuskulatur und den Kiefergelenken.
Auswirkungen einer ungünstigen Zahnstellung auf den Alltag
Zähne übernehmen beim Kauen, Abbeißen und Sprechen unterschiedliche Aufgaben. Treffen Ober- und Unterkiefer nicht wie vorgesehen aufeinander, verteilt sich die Belastung teilweise ungleichmäßig. Dadurch können einzelne Zähne stärker beansprucht werden als andere.
Hinzu kommt, dass eng stehende oder verdrehte Zähne schwerer zugänglich sein können. Zwischenräume lassen sich dann mit Zahnbürste oder Zahnseide nicht immer vollständig erreichen. Bleiben Beläge über längere Zeit bestehen, steigt das Risiko für Karies oder Entzündungen des Zahnfleischs.
Manche Fehlstellungen verändern außerdem die Bewegungsabläufe des Kiefers beim Kauen. Dadurch können einzelne Bereiche des Gebisses unterschiedlich belastet werden.
Planung der Zahnbewegungen vor dem ersten Schienenwechsel
Vor dem Einsetzen der ersten Schiene werden sämtliche Zahnbewegungen geplant. Auf Grundlage der diagnostischen Unterlagen wird festgelegt, welche Zähne bewegt werden sollen und welche Positionsänderung in jedem Behandlungsschritt vorgesehen ist.
Jede Schiene baut auf der vorherigen auf. Deshalb unterscheiden sich die einzelnen Modelle nur geringfügig voneinander. Kleine Bewegungen gelten als Voraussetzung dafür, dass die Kräfte kontrolliert auf die vorgesehenen Zähne wirken.
Abhängig von der Ausgangssituation können zusätzliche kieferorthopädische Hilfsmittel erforderlich sein. Dazu gehören unter anderem kleine Kunststoffelemente auf den Zähnen, sogenannte Attachments. Sie verbessern den Halt der Schiene und erleichtern bestimmte Zahnbewegungen. Ob solche Elemente notwendig sind, hängt von der geplanten Behandlung ab. Manchmal benötigt man kleine Gummizüge und in seltenen Fällen kleine Verankerungselemente im Kiefer.
Tragezeit und Mitarbeit während der Behandlung
Damit die geplanten Zahnbewegungen stattfinden können, muss eine Aligner-Zahnschiene über den vorgesehenen Zeitraum getragen werden. Für die Behandlung reicht das bloße Einsetzen der Schienen nicht aus. Eine zu kurze Tragezeit kann den vorgesehenen Behandlungsverlauf verändern.
Zum Essen und Trinken werden die Schienen in der Regel herausgenommen. Anschließend sollten die Zähne gereinigt werden, bevor die Schiene erneut eingesetzt wird. Dadurch lassen sich Speisereste zwischen Zahnoberfläche und Kunststoff vermeiden.
Regelmäßige Kontrolltermine dienen dazu, den bisherigen Behandlungsverlauf zu überprüfen. Dabei wird beurteilt, ob die Zahnbewegungen wie geplant verlaufen oder ob Anpassungen erforderlich sind. Erst danach erfolgt der Wechsel auf die nächsten Schienen der Behandlungsserie.
Abschluss der Behandlung und Stabilisierung der Zahnstellung
Nach dem Ende der aktiven Zahnbewegung ist die Behandlung noch nicht vollständig abgeschlossen. Zähne besitzen die Eigenschaft, sich wieder in ihre frühere Position zurückzubewegen. Dieses natürliche Bestreben besteht unabhängig davon, mit welcher kieferorthopädischen Methode behandelt wurde.
Deswegen schließt sich eine Retentionsphase an. Unter Retention versteht man Maßnahmen, mit denen die erreichte Zahnstellung erhalten werden soll. Hierfür kommen abhängig vom Befund herausnehmbare Retentionsschienen und dauerhaft befestigte Haltedrähte auf der Innenseite einzelner Zähne infrage.
Welche Form der Stabilisierung geeignet ist und wie lange sie erforderlich bleibt, richtet sich nach der jeweiligen Ausgangssituation sowie dem Verlauf der kieferorthopädischen Behandlung.
Fazit
Eine Aligner-Zahnschiene dient der schrittweisen Korrektur ausgewählter Zahnfehlstellungen mithilfe mehrerer aufeinander abgestimmter Kunststoffschienen. Ob dieses Verfahren infrage kommt, hängt von der Art und dem Ausmaß der Fehlstellung sowie den Ergebnissen der kieferorthopädischen Diagnostik ab. Während der Behandlung werden die Zahnbewegungen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf angepasst. Nach Abschluss der aktiven Korrektur schließt sich eine Retentionsphase an, damit die erreichte Zahnstellung erhalten bleibt.
